Jyväskylä/FINNLAND. In der zentralfinnischen Stadt Jyväskylä fanden die Marathoneuropameisterschaften für die Masters ab 35 Jahren statt. Mit dabei drei Langstreckler aus Tübingen. LAV Läufer Martin Rapp, der schnelle Mann auf den Langstrecken in der Klasse M65, gewann in den letzten beiden Jahren nahezu jeden Wettbewerb in seiner Altersklasse und trug mit den überragenden Leistungen wesentlich bei den Teamerfolgen der Masters bei. Durch eine Verletzung im letzten Herbst bei der WM in Bukarest, wo er dann bei Kilometer 15 raus musste, konnte er in diesem Jahr zielstrebig wieder eine erstaunliche Form aufbauen. In Finnland schienen zu Beginn des Rennens (ein Vierrundenkurs über 10,5 Kilometer um einen See herum) die Bedingungen mit 17 Grad und bewölkt perfekt zu sein. Leider schien dann die Sonne nach einer Runde doch etwas zu intensiv, was sich auch auf die Leistungen der Läufer auswirkte. Rapp lag schon zu Beginn des Rennens in Führung. Sein Ziel „um die 2:50 herum zu laufen“ musste er aber schon nach einer Stunde leicht reduzieren. Zu dem Zeitpunkt hatte er nur noch einen ernsthaften Klassengegner, ein Belgier, der ihm Runde für Runde im Minutenabstand folgte. Zunehmend wurden die Beine schwerer. Das Ziel in der vierten Runde schon vor Augen, in Führung liegend, kam von hinten Rapps Gegner Marc Sempels, der schnelle Belgier. Mit äußerster Anstrengung spurteten beide auf den letzten Metern um den Sieg mit dem besseren Ende für Sempels. 3:00:36 war die Siegerzeit, Rapp nur 1 Sekunde dahinter. Warum eine finnische Läuferin (Siegerin in der Klasse W35 in 3:00:36) mitspurtete, war hinterher allen ein Rätsel? Rapp war nach diesem dramatischen Finale bedient und bitter enttäuscht. Lag er doch bis 42,1 Kilometer alleine in Führung. Die Leistung, exakt 3 Stunden in diesem Alter auf einer schweren Marathonstrecke zu erzielen verdient allerdings höchste Anerkennung.

Jürgen Ehret startete in der Klasse der 60-jährigen. Aufgrund seiner Trainingsleistungen hatte er insgeheim gehofft unter drei Stunden laufen zu können. Schon nach 7 Kilometern, als die Sonne rauskam, reduzierte er klug sein Tempo von 4:10 auf sub 4:15 pro Kilometer. Nach der ersten Runde lag er nach den Hinweisen seiner Frau Elke, die ihm Runde für Runde die Platzierung nannte auf dem 6. Platz, nach einer weiteren Runde hatte er sich schon auf den 4. Platz vorgearbeitet, nach Ende der dritten Runde lag er dann schon mit Platz 3 auf Medaillenkurs. Bei Kilometer 36 sah er den LAV-Vereinskollegen Martin Rapp, den er dann kurze Zeit später einholte. Mit Blick auf die Uhr und seinem Ziel „unter drei Stunden“ hielt er aber sein Tempo weiterhin hoch. Rapp konnte nur mit leicht größer werdendem Abstand folgen. Wenige Hundert Meter vor dem Ziel sah er plötzlich einen Läufer seiner Klasse vor ihm. Jetzt holte er die letzten Reserven heraus und überspurtete den Slowaken, was Platz 2 für Ehret bedeutete. Die Zielzeit für Ehret: 2:59:38, Punktlandung und unter drei Stunden. Sieben Sekunden später kam der Slowake Peter Gajdar ins Ziel, beide gaben sich fair nach der Ziellinie die Hand, beide waren mit dem erreichten Edelmetall zufrieden. Der finnische Sieger (2:54:00) war schon 5 Minuten vorher da.
Sowohl Rapp als auch Ehret bekamen noch als weitere „Belohnung“ eine Teambronzemedaille (in hölzerner Ausfertigung), Rapp wurde in der Delegationsbesprechung einen Tag vorher heruntergemeldet in die M55, Ehret stand mit seinen beiden M60 Kollegen mit breitem Grinsen auf dem Treppchen.
Mit Wolfgang Petersen war in der M75 ein weiterer Tübinger im Land der 1000 Seen am Start. Gehandicapt mit einer Knöchelverletzung, die er 10 Tage vorher auf der Kellertreppe zu Hause erlitt, musste er in der zweiten Rennhälfte deutlich an Tempo rausnehmen. Zusätzlich kam hinzu, dass es in dieser Klasse kein deutsches Team mehr gab. Mit Platz 6 (von 8 Teilnehmern im Ziel) und einer Zeit von 4:32:23 Stunden musste er sich leicht enttäuscht zufrieden geben. Noch im Frühjahr hatte er in Hannover bei der DM Bronze geholt (4:15).

