Catania, Sizilien. Mit einer starken Leistung sicherte sich Martin Rapp bei den Masters-Europameisterschaften die Silbermedaille im Halbmarathon der Altersklasse M65. Der für die LAV Stadtwerke Tübingen startende Läufer absolvierte die 21,1 Kilometer in 1:23:56 Stunden und lag damit gut eine Minute hinter dem italienischen Sieger Maurizio Vagnoli (1:22:39).

Die äußeren Bedingungen verlangten den Teilnehmern alles ab. Der Kurs führte über eine wenig abwechslungsreiche Wendepunktstrecke: fünf Kilometer hinaus, fünf Kilometer zurück – und das gleich zweimal. Was zunächst harmlos klingt, entpuppte sich als kräftezehrende Herausforderung.
„Die Strecke war alles andere als einfach. Es ging gefühlt leicht bergauf und wieder leicht bergab, dazu kam der Wind – man konnte den Rhythmus kaum finden“, berichtete Rapp nach dem Rennen.
Der Startschuss fiel um 8:30 Uhr, doch bereits zu diesem Zeitpunkt brannte die Sonne erbarmungslos auf die Strecke. Schatten gab es praktisch keinen. „Die Hitze war brutal. Das war sicher ein Vorteil für die Italiener, die solche Bedingungen eher gewohnt sind.“
Nach einer Gedenkminute für den italienischen Präsidenten begann das Rennen in hohem Tempo. Rapp setzte sich direkt nach dem Start gemeinsam mit dem späteren Sieger vom Feld ab.

„Ich konnte mich sofort von den meisten Konkurrenten lösen. Nur der Italiener blieb dran, und wir fanden uns schnell in einer kleinen Spitzengruppe wieder.“
Lange hielt sich der Tübinger in der Führungsgruppe, ehe das Rennen ab Kilometer 15 zur echten Willensprüfung wurde.
„In der zweiten Runde wurde es richtig hart. Ich musste die Gruppe ziehen lassen, und die letzten fünf Kilometer waren ein Kampf.“
Neben der Hitze erschwerte auch die unzureichende Versorgung die Bedingungen. Kleine Wassertische entlang der Strecke machten es schwer, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen.
„Oft stand jemand vor dem Tisch und reichte die Becher. Da kam man kaum ran – bei diesen Temperaturen war das natürlich schwierig.“
Auf den letzten Kilometern ging es nur noch darum, das Tempo zu halten und den zweiten Platz zu sichern.
„Meine Oberschenkel wurden immer schwerer. Die letzten zwei, drei Kilometer habe ich nur noch versucht, irgendwie durchzukommen und gehofft, dass es für Silber reicht.“
Diese Hoffnung erfüllte sich. Im Ziel war die Erleichterung groß.
„Direkt nach dem Zieleinlauf ging es mir schon wieder besser. Aber die Oberschenkel haben ordentlich geschmerzt.“
Ein deutsches M65 Team kam nicht zustande. Eine 1:29 pro Läufer hätte zum Sieg gereicht, den die Italiener geholt haben (in 4:27 Stunden).

Auch über die 10-Kilometer-Distanz gab es Grund zur Freude für die Tübinger Farben. Luigi de Franceschi, ebenfalls für die LAV Stadtwerke Tübingen aktiv, belegte in der M60-Einzelwertung mit 36:57 Minuten den fünften Platz. Als zweitbester Italiener seines Teams trug er entscheidend zum Gewinn der Mannschaftsgoldmedaille bei.
„Das war ein großartiges Mannschaftsergebnis“, freute sich de Franceschi. „Unter diesen Bedingungen Gold zu holen, ist etwas ganz Besonderes.“
Die Masters-Europameisterschaften wurden damit zu einem eindrucksvollen Beweis für die Stärke und Ausdauer der Tübinger Athleten – und für Martin Rapp zu einem verdienten europäischen Vize-Meistertitel.
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