Tromsö/Norwegen. Nachdem dieses Jahr überwiegend von Verletzungen und Krankheiten geprägt war, waren die Erwartungen an den Midnight Sun Marathon in Tromsø eher verhalten. Die wenigen Vorbereitungsläufe verliefen jedoch vielversprechend, sodass ich die Reise nach Norwegen mit vorsichtigem Optimismus antrat.
Über Kopenhagen und Oslo erreichte ich nach rund zehn Stunden Reisezeit Tromsø. Die Stadt 350 km oberhalb des Polarkreises war mir bereits von früheren Besuchen bekannt und beeindruckte mich erneut vom ersten Moment an. Schon beim Anflug fiel der Blick auf die markante Tromsø-Brücke, die sich über den Sund spannt und zu den Wahrzeichen der Stadt zählt.

Tromsø verbindet auf einzigartige Weise arktische Natur und lebendiges Stadtleben. Umgeben von Fjorden, Bergen und dem offenen Meer bietet die Stadt eine Kulisse, die ihresgleichen sucht. Während in Deutschland viele Sommerläufe häufig unter großer Hitze leiden, herrschen hier selbst im Juni meist ideale Lauftemperaturen. Für alle, die anspruchsvolle Marathonstrecken mögen und der Sommerhitze entkommen wollen, ist Tromsø eine hervorragende Alternative.
In den Tagen vor dem Rennen nutzte ich die Gelegenheit, die teils hügelige Innenstadt laufend zu erkunden. Schnell wurde klar, dass die Strecke alles andere als flach sein würde. Gleichzeitig wuchs die Vorfreude auf ein ganz besonderes Lauferlebnis unter der Mitternachtssonne.
Pünktlich um 20:30 Uhr fiel am Samstag der Startschuss. Schon nach etwa zwei Kilometern führte die Strecke auf die Tromsø-Brücke, wo die ersten Höhenmeter gesammelt wurden. Anschließend ging es entlang des Fjords durch eine beeindruckende Landschaft. Bei frischen 11 Grad und herrlichem Panorama vergingen die ersten Kilometer beinahe wie im Flug.
Nach der Wende führte die Strecke auf gleichem Weg zurück. Inzwischen hatte der angekündigte Regen eingesetzt, doch die Stimmung entlang der Strecke blieb ausgezeichnet. Nach der erneuten Überquerung der Brücke warteten noch rund zehn anspruchsvolle Kilometer durch die hügeligen Straßen Tromsøs. Jetzt waren Ausdauer und Kampfgeist gefragt.
Mit jedem Kilometer rückte das Ziel näher. Nach 4:16:22 Stunden erreichte ich schließlich um 00:45 Uhr das Ziel – nach einer Strecke mit deutlich über 300 Höhenmetern und unter Bedingungen, die den Marathon zu einer echten Herausforderung machten.

Da die Teilnehmer meiner Altersklasse aus vielen verschiedenen Ländern kamen und mir deren Leistungsstärke nicht bekannt war, konzentrierte ich mich ausschließlich auf mein eigenes Rennen. Umso größer war die Freude bei der Siegerehrung: Ich belegte überraschend den 1. Platz in meiner Altersklasse.

Insgesamt erreichten 2.196 Läuferinnen und Läufer das Ziel. Weitere 95 Teilnehmer wurden als Aussteiger oder disqualifiziert geführt. Damit war der Midnight Sun Marathon einmal mehr ein beeindruckendes internationales Laufsportereignis – und für mich ein sportlicher Höhepunkt eines ansonsten schwierigen Laufjahres.

