Ulm/Do. Der Morgen zum Einstein-Marathon in Ulm begann für Walter Johnen mit einem Schock: Der geplante Zug von Tübingen nach Ulm fiel aus. Was nun? Der nächste Anschluss sollte planmäßig gerade einmal eine Viertelstunde vor dem Start am Ulmer Bahnhof eintreffen. „Was soll’s“, dachten sich Walter Johnen und sein Vereinskollege Fabian Wannenmacher, der den Marathon laufen wollte. Also wurde der nächste Zug genommen.
Am Bahnhof angekommen, ging es mit dem Taxi weiter. Die Polizei hatte am Veranstaltungsgelände schließlich ein Einsehen und ließ das Taxi noch den letzten Kilometer bis zum Stadion fahren – der Fahrer wollte dort schließlich nicht parken. Rasch waren die üblichen Formalitäten erledigt, die Startnummer abgeholt und das Gepäck abgegeben. Die Helfer waren ausgesprochen hilfsbereit, zumal die Halle inzwischen schon fast leer war.
Dann hieß es: ab in die Startaufstellung. Tausende Läuferinnen und Läufer standen bereits vor ihnen. Doch der Zufall wollte es, dass Walter Johnen direkt neben seinem Vereinskollegen Wolfgang Nehring in der großen Menge landete. Die Freude über dieses unverhoffte Wiedersehen war groß. Gemeinsam wollten die beiden M80-Läufer die Halbmarathondistanz absolvieren.
Der Start verzögerte sich allerdings deutlich, weil die Straßenbahn immer wieder Vorrang hatte. Erst mehr als eine halbe Stunde nach dem offiziellen Starttermin erreichten Walter und Wolfgang die Startlinie.
Eigentlich ist Wolfgang Nehring als ehemaliger Europameister der schnellere Läufer. Doch beide hatten sich vorgenommen, möglichst gemeinsam ins Ziel zu laufen. Bis etwa Kilometer 14 funktionierte das auch – obwohl die zahlreichen Läuferinnen und Läufer vor ihnen immer wieder für kleine Hindernisse sorgten. Grob geschätzt hatten die beiden bis dahin rund 1.000 Mitläuferinnen und Mitläufer überholt.
Dann sorgte ein Rettungswagen für eine unfreiwillige Trennung. Das Fahrzeug musste auf die Laufstrecke abbiegen. Walter konnte noch vor dem Rettungswagen passieren, Wolfgang musste dahinter warten und verlor den Sichtkontakt. Walter nahm daraufhin immer mehr Tempo auf und lief dem Ziel entgegen.

Am Ende kam Walter Johnen nach 2:06:13 Stunden ins Ziel und belegte damit den zweiten Platz in der Altersklasse M80. Wolfgang Nehring folgte in 2:10:05 Stunden und wurde Dritter. Der Sieg in der M80 ging an Paul Kleinmann von der LG Allgäu in 2:02:43 Stunden. Er war allerdings in einem anderen Startblock knapp eine halbe Stunde früher gestartet und hatte dadurch deutlich weniger Läufer vor sich. Gewertet wurden alle Teilnehmer fairerweise nach ihrer Nettozeit.
Insgesamt erreichten beim Halbmarathon 6.160 Läuferinnen und Läufer das Ziel. Schnellster Tübinger war Felix Strnad, der in 1:16 Stunden als 13. ins Ziel kam. Bei den Frauen durfte sich Katrin Kommer über einen Podestplatz freuen. Sie wurde in der Altersklasse W40 mit 1:34 Stunden Zweite.
Auch auf der Marathonstrecke über 42,2 Kilometer war der Post-SV Tübingen vertreten. Felix Jaep bewältigte die komplette Distanz in 3:14 Stunden, Fabian Wannenmacher erreichte das Ziel nach 3:41 Stunden.
So wurde der Einstein-Marathon für die Tübinger trotz eines etwas chaotischen Starts zu einem erfolgreichen Lauftag – mit guten Ergebnissen, spannenden Rennmomenten und vor allem einer schönen Begegnung unter langjährigen Weggefährten.



