Berlin-Marathon 2026 mit starker Tübinger Beteiligung – Jule Vetter (LAV) läuft persönliche Bestzeit und wird drittbeste Deutsche
Berlin. Gänsehaut, große Gefühle und sportliche Höchstleistungen: Der Berlin-Marathon 2026 hat einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, warum dieser Lauf zu den bedeutendsten Marathonveranstaltungen der Welt gehört. 50.020 Marathonläuferinnen und -läufer erreichten das Ziel, mehr als eine Million Zuschauer sorgten entlang der Strecke für eine einzigartige Atmosphäre. Auch zahlreiche Läuferinnen und Läufer aus Tübingen (LAV und Post-SV) waren dabei und machten den Marathon zu einem besonderen Erlebnis.
Sportlerinnen und Sportler aus 161 Nationen gingen in Berlin an den Start. Im Mittelpunkt des Rennens stand die äthiopische Ausnahmeläuferin Tigst Assefa. Die 29-Jährige hatte sich vorgenommen, den Weltrekord zu verbessern und war bis Kilometer 40 auf Kurs. Doch dann folgte das Drama: Offenbar von starken Schmerzen in der linken Wade geplagt, konnte sie die letzten Kilometer nur noch humpelnd zurücklegen. Mit 2:11:04 Stunden stellte sie dennoch einen neuen Streckenrekord auf. Im Ziel musste sie, gestützt von zwei Helfern – darunter der frühere Marathon-Weltrekordler Haile Gebrselassie –, unmittelbar medizinisch untersucht werden. Die Diagnose lautete Achillessehnenriss.
Auch die deutsche Topläuferin Esther Pfeiffer hatte sich viel vorgenommen. Sie wollte den deutschen Marathonrekord von 2:19 Stunden angreifen. Bereits nach zehn Kilometern merkte sie jedoch, dass es nicht ihr Tag werden würde. Nach kurzer Abstimmung mit ihrem Tempomacher und Ehemann Hendrik Pfeiffer beendete sie das Rennen vorzeitig. Ein Marathon zeigt eben nicht nur die großen Erfolge: Scheitern gehört ebenso dazu wie die herausragenden Leistungen nach monatelanger Vorbereitung.
Eine solche herausragende Leistung gelang dagegen der 26-jährigen Jule Vetter aus Tübingen. Die Läuferin wurde in das Elitefeld aufgenommen und nutzte ihre Chance auf beeindruckende Weise. Mit 2:37:26 Stunden verbesserte sie ihre persönliche Bestzeit, die sie im Vorjahr in Valencia lief, gleich um rund fünf Minuten und wurde drittbeste deutsche Läuferin.
Ihre Renneinteilung war dabei nahezu perfekt. Beide Halbmarathonhälften lief Vetter in etwa 1:18 Stunden, die zweite Hälfte sogar noch einige Sekunden schneller. Vor allem die Atmosphäre in Berlin beeindruckte sie: „Ich hatte zeitweise Gänsehaut, weil es so laut war und ich oft meinen Namen gehört habe. Ein once in a lifetime Moment.“
Nur zwei Tübinger Männer waren in Berlin schneller als Vetter: Christian Reusch mit rund 2:28 Stunden und Niklas Unger, Finanzchef der LAV, mit 2:31 Stunden. Knapp hinter Jule Vetter folgte Marc Ahrend in 2:38 Stunden. Der LAV-Vize Boris Rein kam in 2:53 Stunden ins Ziel, Daniel Gütler verbesserte seine persönliche Bestzeit auf 2:54 Stunden.
Bester Läufer des Post-SV Tübingen war Sven Ettel in 2:54 Stunden. Einen besonderen Erfolg feierte Hannah Graf, die bei ihrem erst zweiten Marathon überhaupt nach 2:57 Stunden die Ziellinie überquerte. Thorsten Haasis blieb mit 2:59 Stunden ebenfalls noch unter der magischen Drei-Stunden-Marke.
Jubiläumsläufer mit grüner Startnummer
Besondere Geschichten schrieb auch die Tübinger Marathon-Generation. Einige Tübinger Starter gingen mit einer grünen Startnummer ins Rennen. Diese besondere Nummer tragen in Berlin Läuferinnen und Läufer, die bereits zehnmal oder mehr beim Marathon gefinisht haben.

Christian Diedrich (M65, jetzt 16 Teilnahmen, Berliner Bestzeit: 2:48) lief bereits 1984 seinen ersten Marathon – ausgerechnet in seiner Geburtsstadt Berlin. 42 Jahre später kehrte er erneut auf die Strecke zurück. Gemeinsam mit seinem Sohn Lucas (26), der als Rookie seinen ersten Berlin-Marathon bestritt, überquerte er nach 3:14 Stunden zeitgleich die Ziellinie. Ein ganz besonderer Familienmoment.
Auch Matthis Synofzik (M45, jetzt 11 Teilnahmen) erhielt die grüne Startnummer und damit den Status als Mitglied des Jubilee Clubs. Er absolvierte das Rennen in 3:08 Stunden. Seine Bestzeit in Berlin ist 2:49 (2011).

In der Altersklasse W55 lief Anja Karau, vor zwei Jahren noch in Hannover deutsche Marathonmeisterin, als beste Deutsche ihrer Altersklasse ebenfalls starke 3:14 Stunden. Ihre Tübinger Altersklassenkollegin Kathrin Ripper freute sich über eine neue persönliche Bestzeit von 3:24 Stunden.
Weitere Tübinger Ergebnisse:
- Steffen Geitner (M45): 3:04 Stunden
- Henrike Prokopp (W30): 3:16 Stunden
- Gerold Knisel (M65): 3:22 Stunden
- Frank Wallbrecht (M60): 3:39 Stunden (ebenfalls grüne Nummer, 28 Teilnahmen)
- Michael Hahn (M55): 3:54 Stunden
Berlin kann Marathon
Am Ende bleibt neben den sportlichen Leistungen vor allem eines: das Erlebnis Berlin-Marathon. Die Begeisterung des Publikums war entlang der gesamten Strecke spürbar. Millionen von Zuschauern feuerten die Läuferinnen und Läufer an, riefen Namen, klatschten, trommelten und machten aus den 42,195 Kilometern ein Fest.
Für die Tübinger Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es damit weit mehr als nur ein schneller Marathon. Berlin zeigte sich einmal mehr als völkerverbindende Sportveranstaltung, bei der Menschen aus 161 Nationen gemeinsam laufen, feiern und sich gegenseitig anfeuern – ein besonders wertvolles Zeichen in politisch so brisanten Zeiten.
Und der Laufboom geht gerade so weiter. Nach Erbelauf und Nikolauslauf, die beide ausgebucht waren bzw. sind kam gestern erneut eine Ticker Meldung: Der Frankfurter Halbmarathon war gestern innerhalb 3,5 Stunden nach Öffnung ausgebucht. 10.500 stehen nun in der Startliste. Dazu kommen noch die etwa 1000 DM Teilnehmer. Am 21. März 2027 finden dort die Deutschen Meisterschaften statt.



