Der Radsport erobert den Post SV

 GranFondo

Wer seit diesem Frühjahr hin und wieder sonntags beim Radtreff des Post-SV vorbeigeschaut hat, dem ist sicher nicht entgangen, dass in den einzelnen Gruppen recht sportlich gefahren wird.

Nun ist es auch für Postsportler kein Naturgesetz, dass man vor dem Radfahren zuerst ein Bad nehmen muss und danach noch etwas durch die Gegend rennt, und so maßen sich zwei Sportler im letzten Monat rund um den Globus im reinen Wettkampf von Mensch und Maschine. 

Den Beginn machte Manuel Stanislowski beim Gran Fondo New York, einem Rennen über 100 Meilen und 2700 Höhenmetern, das vor allem durch seine Atmosphäre beeindruckt. Wie beim New York Marathon startet man früh morgens bei Sonnenaufgang auf einer Brücke (George Washington Bridge) mit Blick auf die Skyline von Manhattan zusammen mit 4000 anderen Sportlern aus 100 Ländern – ein zutiefst beeindruckendes Erlebnis. Anders als beim Marathon verlässt man aber New York, um am Hudson River entlang in überraschend grüne und hüglige Gebiete zu fahren. Ungefähr zur Hälfte des Rennens erreicht man den Bear Mountain State Park, der nicht nur Nationalparklandschaften und den längsten Anstieg (vergleichbar mit einem Albanstieg) bereit hält, sondern in diesem Jahr auch ein besonderes geographisches bzw. meteorologisches Phänomen offenbarte: Laut Radcomputer verlor man bei der Auffahrt an Höhe, bei der Abfahrt fuhr man bergauf. Das Ziel am Fuße der George Washington Bridge erreichte Manuel nach hartem Kampf am letzten Berg (siehe Foto) auf dem 64. Rang.

Dass Radrennen kein „Zuckerschlecken“ sein können, musste Hannah Fandel beim Gran FondoSchleck in Luxemburg erfahren. Bei ihrem ersten langen Radrennen positionierte sie sich unter den ersten fünf Frauen und in einer zügig fahrenden Gruppe. Allerdings geht es in einem Radrennen meist nicht so geordnet zu wie bei einer sonntäglichen Ausfahrt des Post-SV und so war Hannah 5 km vor dem Ziel in einen Massensturz verwickelt, der ihr einen Rahmenbruch und die Rückfahrt im Kofferraum eines netten Italieners bescherte. 

Rahmenbruch

Hannah1

Gemeinsam ging es dann zum Gran Fondo Mont Ventoux, der in Hannahs Lieblingsradrevier stattfindet. Mit 135km durch spektakuläre Landschaften, 3300 Höhenmeter und der Zielankunft auf dem Gipfel des Mont Ventoux ist die grandiose Strecke eigentlich zu schade, sie im Renntempo und im Windschatten seiner Mitfahrer zu genießen. Da Hannahs Rad nach dem Missgeschick in Luxemburg nicht einsatzfähig war, musste sie ein Rad vor Ort leihen – vorsorglich mit einer Versicherung gegen Stürze.

Hannah2

Der gefasste Plan gemeinsam zu fahren und sich gegenseitig zu unterstützen, wurde mit dem Startschuss sofort umgesetzt. Eine geeignete Gruppe mit ungefähr 20 Männern war nach dem ersten kleineren Anstieg gefunden. Als Hannah an den folgenden Anstiegen häufiger das Tempodiktat der Gruppe übernahm, gab es sämtliche Formen des angegriffenen männlichen Stolzes zu beobachten – bewundernde Komplimente, entsetzte Blicke, zügige Ablösung Hannahs an der Spitze,… . Das begeistere Anfeuern durch die Zuschauer unserer Gruppe mit „Regardez la petite fille“, zeigte, dass bei diesem Rennen auch eine sehr gute Platzierung möglich sein könnte. Am Fuße des 19km langen und 1600 Meter hohen Anstiegs auf den Mont Ventoux wurde es dann konkret, denn Hannah wurde als erste Frau von den Zuschauern erkannt. Dass dies nur ein sich schnell ändernder Zwischenstand sein kann und dieser Berg, an dem man alle europäischen Klima- und Vegetationszonen (vom Mittelmeer nach Lappland) auf einmal durchfährt, zurecht ein Mythos in Radsportkreisen ist, mussten beide bei ihrer Auffahrt schmerzhaft erfühlen (Manuel etwas früher, Hannah erst kurz vor dem Ziel).

Panorama

Aber selbst Hungerast (Hannah) und Krämpfe (Manuel) konnten am Ende das überwältigende Gefühl, den Gipfel des „heiligen Bergs der Provence“ erreicht zu haben, nicht übertönen. Und dann war ja noch das Rennen… Einen Zielsprecher gab es nicht, eine Ergebnisliste war im Ziel nicht aufzutreiben, der Wahrheitsgehalt von Zuschaueraussagen ist meist zweifelhaft und der eigene Blick, der keine Frau am Berg hat überholen sehen, ist im sportlichen Grenzbereich meist auch trügerisch. So ging es, nachdem Hannah sich im Ziel noch mit Wildschweinwurst eingedeckt hatte, freudig über das Geleistete und gespannt auf das Ergebnis zur Siegerehrung. Hier löste sich dann die Spannung im Knallen der Sektkorken in überschäumende Freude, denn Hannah konnte das Rennen in knapp über fünf Stunden mit großem Vorsprung für sich entscheiden. Den Wettbewerb des Sektöffnens verlor sie jedoch haushoch um den Preis einer zweiten (klebrigen) Dusche. Das fehlende Rad stellt sich dagegen auf dem Rückweg als großen Vorteil heraus, denn so hatten die vielen Preise gerade noch Platz im Auto.

Hannah3

Wer nun noch mehr über die Rennen erfahren möchte oder gerne mal ohne Badekappe und Laufschuhe sportlich unterwegs sein möchte, dem sei zum Radtreff am Sonntag 9:30 Uhr geraten, bei dem Hannah meist die schnelle und Manuel die gemütliche Gruppe führen.

Weinberg

 

Fotos: Hannah Fandel und Manuel Stanislowski

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